Projekt: Afrique Europe Interact- Für Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung
noch nicht geprüft
Globale Gerechtigkeit e.V.
www.afrique-europe-interact.net
28201 Bremen
Hardenbergstr. 52
Afrique-Europe-Interact ist ein kleines, transnational organisiertes Netzwerk, das Ende 2009 gegründet wurde. Beteiligt sind Basisaktivist_innen vor allem in Mali, Togo, Deutschland, Österreich und den Niederlanden – unter ihnen zahlreiche selbstorganisierte Flüchtlinge, Migrant_innen und Abgeschobene.
Programmatisch verfolgt Afrique-Europe-Interact insbesondere zwei Zielsetzungen: Einerseits unterstützen wir Flüchtlinge und Migrant_innen in ihren Kämpfen um Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte – ob in den Ländern des Maghreb, auf dem Mittelmeer oder innerhalb der Festung Europa. Andererseits sind wir an sozialen Auseinandersetzungen um gerechte bzw. selbstbestimmte Entwicklung beteiligt. Denn das Recht auf globale Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit ist nur die eine Seite der Medaille. Nicht minder wichtig ist das Recht zu bleiben, also die Möglichkeit, zu Hause bzw. im Herkunftsland ein Leben unter sicheren, würdigen und selbstbestimmten Bedingungen führen zu können.
Entstanden ist Afrique-Europe-Interact im Zuge der Vorbereitungen einer dreiwöchigen „Karawane für Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung“, die Anfang 2011 auf Initiative der AME (Assoziation der Abgeschobenen Malis) stattgefunden hat: Rund 250 Aktivist_innen, die meisten aus Mali, haben sich an der Bustour von der malischen Hauptstadt Bamako zum 11. Weltsozialforum in Dakar/Senegal beteiligt – einschließlich zahlreicher Aktionen und Versammlungen mit der lokalen Bevölkerung entlang der Route. Nach der Karawane haben uns zunächst die sozialen Umbrüche in Nordafrika in Atem gehalten. Nicht nur aus Solidarität mit dem Arabischen Frühling, sondern auch, weil Hundertausende Arbeitsmigrant_innen und Flüchtlinge aus Subsahara-Afrika das von Bürgerkrieg heimgesuchte Libyen fluchtartig verlassen mussten – unter ihnen rund 6.000 Menschen, die nicht in ihre Heimatländer zurückkehren konnten bzw. wollten und daher unter erbärmlichsten Bedingungen im Wüstencamp Choucha an der libysch-tunesischen Grenze gestrandet sind. Praktisch haben sich hieraus zahlreiche Kontakte und gemeinsame Projekte zwischen europäischen, malischen und tunesischen Basisgruppen ergeben, unter anderem die von Afrique-Europe-Interact mitaufgebaute Solidaritätskampagne für Choucha – eine Initiative, die maßgeblich mit dazu beigetragen hat, dass im September 2012 immerhin 200 Flüchtlinge aus Choucha regulär nach Deutschland ausreisen konnten.
Mittlerweile verteilen sich die Aktivitäten von Afrique-Europe-Interact auf (mindestens) sechs Schwerpunkte – trotz des Umstandes, dass es sich weiterhin um ein eher kleines, fast ausschließlich ehrenamtlich getragenes Netzwerk handelt:
Militarisierung der EU-Außengrenzen – einschließlich des Massensterbens sowohl im Mittelmeer als auch in der Wüste
Kooperation mit tunesischen Gruppen, insbesondere mit Angehörigen tunesischer Harragas (arabisch für „Grenzverbrenner“), die bei Bootsüberfahrten ums Leben gekommen oder verschollen sind
Landgrabbing – insbesondere in Mali
Zusammenarbeit mit Basisinitiaitven in Togo
Auseinandersetzung mit gesamtgesellschaftlichen Konflikten – schwerpunktmäßig in Mali und Togo.
Unterstützung von selbstorganisierten Protesten von Flüchtlingen und MigrantInnen in Europa.
Was uns grundsätzlich eint (trotz der vielfältigen Schwerpunkte), ist die Überzeugung, dass sich an den neokolonialen Dominanz- und Ausbeutungsverhältnissen nur etwas ändern lässt, wenn soziale Basisbewegungen aus Afrika und Europa in großem Stil gleichberechtigt, verbindlich und direkt zusammenarbeiten. Dies erfordert allerdings, dass die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen, Interessen und Selbstverständnisse sorgfältig berücksichtigt werden. Insofern spielt für Afrique-Europe-Interact nicht nur die (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit Dominanz, Paternalismus oder rassistischen bzw. eurozentrischen Vorurteilen eine zentrale Rolle. Wichtig ist auch, dass die malischen und togoischen Mitgliedsgruppen von Afrique-Europe-Interact sowie selbstorganierte Flüchtlinge und Migrant_innen in Marokko und Tunesien seitens der europäischen Sektion von Afrique-Europe-Interact im kleinen Stil finanziell unterstützt werden – Stichwort: Umverteilung praktisch angehen!
Aktuelle Informationen zu laufenden Spendenkampagnen sowie zur Verwendung der Spenden 2012/2013 finden sich unter http://afrique-europe-interact.net/index.php?article_id=1179&clang=0